Kameraeinstellungen in der Konzertfotografie

IMG_5216Nachdem ich bereits einen allgemeinen Artikel zum Thema Konzertfotografie geschrieben habe, möchte ich in diesem auf die Kameraeinstellungen eingehen. In diesem Beitrag werde ich meine Herangehensweise schildern, was nicht unbedingt heißen soll, dass man das nicht auch anders machen kann. Für mich hat es sich jedenfalls so bewährt.

Der M-Modus

Da die Belichtungsmessung der Kameras bei dem schnell wechselnden Licht oft überfordert sind und zu einer zu langen Belichtungszeit tendieren, sind diese für mich nicht zu gebrauchen. Ich stelle die Belichtungs-Parameter in folgender Reihenfolge ein:

Als erstes wähle ich eine weit offene Blende, je nach Objektiv ist das 2.8 oder, wenn es einmal sehr dunkel ist, kann das auch 1.4 sein.

Den ISO-Wert wähle ich derart, dass die resultierenden Belichtungszeiten noch aus der Hand zu halten sind und keine Bewegungs-Unschärfe entsteht. ich starte meist bei ISO 800, und erhöhe, wenn es die Situation erfordert, auf ISO 1600 oder in Ausnahmefällen bis zu ISO 3200. Lieber nehme ich etwas höhere ISO-Werte, als dass mir ein Foto entgeht. Da ich oft mit einer Blende von ungefähr 2.0 arbeite, komme ich aber die meiste Zeit mit ISO 800 oder 1000 aus.

Die Belichtungszeit bleibt dann als letzter Parameter übrig und ergibt sich aus den bereits bestimmten Blenden- und ISO-Werten. Diese versuche ich, je nach Brennweite und Bewegung auf der Bühne, nicht zu lange lange zu halten, um nicht zu verwackeln und Bewegungen einzufrieren.

Lasst euch nicht vom selbst einstellen abschrecken, die Belichtungswerte schwanken eigentlich viel weniger, als man sich das vorstellt, und man bekommt recht schnell ein Gefühl für die passenden Werte.

RAW oder JPEG?

Über die Vorteile von RAW gegenüber JPEG kann man lange diskutieren. Ja, RAW ist wirklich toll, da man nachträglich viel mehr noch in der Bearbeitung machen kann. Viele werden das jetzt nicht nachvollziehen können und den Kopf schütteln, aber zumindest bei Konzertfotos verwende ich zu 99% das JPEG-Format, da es für mich in diesem Fall meistens ausreichend ist. Die kleineren Dateigrößen machen den ganzen Workflow nach dem Konzert für mich deutlich schneller.

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Autofokus

Ein gut sitzender Fokus-Punkt ist oft entscheidend für ein gelungenes Bild, daher auch ein paar Worte zum Autofokus. Bei bewegenden Motiven eignet sich der kontinuierliche Autofokus sehr gut (AI-Servo bei Canon). Ich habe bei mir den Autofokus nicht am Auslöser, sondern auf einer Separaten Taste gesetzt. Möchte ich nur einmal Fokusieren und dann gleich auslösen, dann lasse ich die AF-Taste los und drücke anschließend ab. Bewegt sich das Motiv jedoch nach vor oder zurück, dann halte ich die AF-Taste beim Auslösen gedrückt, wodurch auf die Bewegung bis zum Auslösen reagiert wird. Das hat den Vorteil, dass ich die Kamera nicht zwischen dem One-Shot und dem AI-Servo Modus ständig umschalten muss, denn dafür ist keine Zeit übrig.

Serienbild-Modus

Oft versuche ich bei einer Bewegung mehrere Fotos zu machen, um mir anschließend das beste auszusuchen. Dazu nutze ich den Highspeed-Serienbild-Modus, bei welchem solange der Auslöser gedrückt bleibt durchgehend Fotos gemacht werden.

Sonstiges

Blitz wird selbstverständlich keiner verwendet.  Habe ich sonst etwas vergessen? Macht ihr das auch so wie ich, oder anders, und wenn ja, warum?

3 Gedanken zu „Kameraeinstellungen in der Konzertfotografie

  1. Foto UNICO

    Bis auf die Tatsache dass du mit JPG fotografierst keine Überraschungen, deshalb möchte ich dazu auch noch eine Frage stellen.
    Warum nicht RAW+JPG?
    Gerade bei Bildern von Veranstaltungen kann ich mir denken dass man auch fix&fertige JPGs gerne parat hätte, finde aber keinen Grund auf ein unkomprimiertes RAW zu verzichten…

    Grüße,
    Foto UNICO

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    1. Patrick Artikelautor

      Hallo Foto UNICO,
      kurz: weil ich bei den Konzertfotos das RAW nicht brauche, sondern nur das JPG und mir dieses zum Bearbeiten in diesem Fall so gut wie immer ausreicht.

      ich kann nur sagen, wie es *für mich* und bei *Konzertfotos* ist: ich habe nicht das Gefühl, dass ich beim RAW mehr Möglichkeiten zum Bearbeiten hätte (bzw Umgekehrt, dass mich das JPG da einschränken würde). Es soll meistens schnell gehen, und RAW würde da eher hindern.

      Wenn ich weiß, dass ein Foto für ein Plakat o.Ä. sein soll, stelle ich vorher natürlich schon auf RAW, aber bisher hab ich die paar mal, wo ich Bands in RAW live fotografiert habe, darin nicht wirklich einen Vorteil gesehen. Umgekehrt waren meine JPG Fotos auch oft gut genug um z.B. über eine Doppelseite gedruckt zu werden ;-). Bei meinen Fotos gibt es da eher andere limitierende Faktoren wie zu lange Belichtungszeiten durch zu wenig Licht usw. Das bisschen mehr Schärfe in 100% Ansicht ist mir nicht so wichtig wie der richtige Moment am Foto und ein schnellerer Workflow.

      Auf ein bisschen zusätzliche Dynamikumfang kommt es mir auch nicht an, da meist ohnehin nur kleine Teile des Bildes (Musiker) „korrekt“ belichtet werden können, und der Rest ohnehin viel zu hell oder viel zu dunkel ist, sowohl für RAW als auch für JPG. Aber auch das kann ein Bild ausmachen finde ich ;).

      Vielleicht wage ich es ja wieder einmal mit RAW oder mach den direkten Vergleich mit RAW+JPG, mein bisheriges Gefühl war nur, dass RAW mehr bei gut ausgeleuchteten Szenen hilft, um mehr Details und Schärfe ins Bild zu bringen.

      LG,
      Patrick

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      1. Foto UNICO

        Danke für deine Ausführlich Antwort.

        Wie gesagt, ich kann es mir durchaus vorstellen so wie du es erzähltest, würde aber vermutlich sicherheitshalber dennoch immer das RAW speichern.

        Grüße,
        Foto UNICO

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